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New York plant verpflichtende Waffen-Erkennung in 3D-Druckern: Sicherheits- und Datenschutzbedenken

3 Min. LesezeitQuelle: Schneier on Security

New Yorker Gesetzgeber schlagen vor, 3D-Drucker mit verpflichtender "Blockierungstechnologie" auszustatten. Experten warnen vor technischen Mängeln, Datenschutzrisiken und Überwachung.

New York plant verpflichtende Waffen-Erkennung in 3D-Druckern

Die Gesetzgeber des US-Bundesstaates New York haben eine umstrittene Bestimmung in den Exekutivhaushalt 2026-2027 (S.9005 / A.10005) aufgenommen, die „Blockierungstechnologie“ in allen 3D-Druckern vorschreibt, die im Staat verkauft oder ausgeliefert werden. Die in Teil C des Gesetzesentwurfs versteckte Anforderung würde Hersteller dazu verpflichten, Software oder Firmware zu integrieren, die jede Druckdatei mithilfe eines „Algorithmus zur Erkennung von Waffen-Blaupausen“ scannt und alle als potenzielle Schusswaffen oder -komponenten markierten Designs blockiert.

Technische und politische Implikationen

Der Gesetzesvorschlag spiegelt breitere Bemühungen wider, die illegale Herstellung von Schusswaffen mittels 3D-Drucktechnologie einzudämmen. Allerdings argumentieren Cybersicherheitsexperten und Verfechter digitaler Rechte, dass der Ansatz technisch fehlerhaft und rechtlich problematisch ist.

  • Erkennungsherausforderungen: Waffenkomponenten können in Druckdateien modifiziert, segmentiert oder verschleiert werden, was eine zuverlässige Erkennung erschwert. Ähnliche Versuche des Digital Rights Management (DRM) sind in der Vergangenheit aufgrund von Umgehungstechniken gescheitert.
  • Falsch-positive/-negative Ergebnisse: Ein Erkennungsalgorithmus könnte legitime Objekte (z. B. mechanische Teile, Werkzeuge) fälschlicherweise blockieren oder modifizierte Waffendesigns übersehen, was zu unbeabsichtigten Konsequenzen führt.
  • Datenschutzrisiken: Die verpflichtende Echtzeit-Überprüfung von Druckdateien wirft Bedenken hinsichtlich Nutzerüberwachung, Datensammlung und möglichem Missbrauch sensibler geistiger Eigentumsrechte auf.
  • Einschränkungen für Allzweck-Computing: Wie der Cybersicherheitsexperte Bruce Schneier und der Digitalrechtler Cory Doctorow betonen, sind Versuche, Allzweck-Computing-Tools (wie 3D-Drucker) für bestimmte Anwendungsfälle einzuschränken, aufgrund technischer Umgehungsmöglichkeiten konsequent gescheitert.

Auswirkungen auf Maker, Bildungseinrichtungen und Hersteller

Die Bestimmung könnte weitreichende Folgen haben für:

  • Hobbyisten und Maker: Einschränkungen beim Drucken nicht waffenbezogener Objekte (z. B. maßgeschneiderte Werkzeuge, Prototypen) könnten Innovationen hemmen.
  • Bildungseinrichtungen: Schulen und Universitäten, die 3D-Drucker in MINT-Programmen einsetzen, könnten unnötige Hürden bei Zugriff oder Modifikation von Druckdateien erfahren.
  • Kleine Hersteller: Compliance-Kosten und potenzielle rechtliche Haftungsrisiken könnten kleine Unternehmen überproportional belasten.

Kritik von Experten und historische Präzedenzfälle

Kritiker argumentieren, dass der Vorschlag gescheiterten DRM-Strategien ähnelt, wie etwa:

  • Drucker-Tracking-Punkte: 2018 wies Cory Doctorow darauf hin, wie gelbe Tracking-Punkte in Druckerausgaben Überwachung ermöglichten – ein Präzedenzfall für eingebettete Hardware-Überwachung.
  • Einschränkungen für Allzweck-Computing: Doctorows Vortrag 2011 auf dem Chaos Communication Congress (28C3) warnte vor legislativer Überregulierung bei der Einschränkung von Computing-Geräten – eine Sorge, die auch auf diesen 3D-Drucker-Vorschlag zutrifft.

Nächste Schritte und Empfehlungen

Sicherheitsexperten und Branchenvertreter sollten:

  1. Gesetzgebungsprozesse beobachten: Änderungen an S.9005 / A.10005 während der Beratungen im New Yorker Parlament verfolgen.
  2. Technische Machbarkeit prüfen: Evaluieren, ob Waffenerkennungsalgorithmen wirksam implementiert werden können, ohne übermäßige Falschmeldungen oder Datenschutzrisiken zu verursachen.
  3. Öffentliche Stellungnahmen abgeben: Für alternative Lösungen eintreten, wie Aufklärung, Durchsetzung oder freiwillige Richtlinien, statt verpflichtender Überwachungstechnologie.
  4. Compliance-Herausforderungen vorbereiten: Hersteller und Nutzer sollten potenzielle rechtliche und operative Auswirkungen bewerten, falls das Gesetz verabschiedet wird.

Während das politische Ziel, 3D-gedruckte Waffen zu reduzieren, nachvollziehbar ist, wirft der vorgeschlagene Lösungsansatz erhebliche technische, ethische und rechtliche Bedenken auf, die einer weiteren Prüfung bedürfen.

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